Der Name Derne
Der Name Derne erklärt sich aus der Lage des Ortes.Durch unser engstes Heimatland verlaufen zwei Hauptvölkerstrassen in Westöstlicher Richtung. Der Weg an der Lippe entlang und der Hellweg, der durch die Salzzone der Münsterländischen Bucht über Dortmund, Unna, Werl, Soest usw. führt. Derne liegt zwischen diesen beiden Strassen. Seine Urbesiedelung muss sich von einer der beiden vollzogen haben. Vieles spricht dafür, dass sie von der Lippe aus erfolgte. In allen geschichtlichen Quellen treffen wir auf enge Verbindungen zwischen Derne und Lünen, sei es in wirtschaftlicher, rechtlicher oder politischer Hinsicht. Das scheint ein Nachweis der von der Lippe aus erfolgten Besiedlung zu sein.Außerdem ist das Derner Gebiet seit alters her vom Hellweg scharf abgetrennt gewesen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts lagen ein sumpfiger unwegsamer Niederwald, teilweise auch Hochland dazwischen, die sich zu beiden Seiten des Körnebaches hinzogen. Zahlreiche Flurbezeichnungen und Straßennamen deuten auf diesen Wald hin. So kennen wir: Grävingholz, Burgholz, Oesterholz, Stuckenrodt, Westholz, Buschey.
Ein größerer Rest dieses Waldes ist noch als „ Kurler Busch „ vorhanden. Auch die Herkunft des Namens Derne scheint auf diese dichte Bewachsung hinzuweisen. In „DERNE“ steckt dieselbe germanische Sprachwurzel wie aus dem Wort Dorn, das von tar, dar, dhar herstammt und „HOLZ“ meint. Derne bedeutet also holz – und buschreiche Gegend.Vom Herbst bis in den Frühsommer hinein standen regelmäßig weite Waldstrecken hoch unter Wasser. Der wirtschaftliche Verkehr zwischen Derne und den Hellwegortschaften blieb auch darum immer in engen Grenzen. Er vollzog sich teils auf Umwegen über Dortmund, teils auf der Lippestrasse, auch Waldstrasse ( heute Tettenbach – Flughafenstrasse ), die von Lünen über Hostedde nach Brackel führt und ein uralter Salzweg ist. Der Weg von Kirchderne über Bahnhof Kirchderne nach Wambel oder Brackel war bis vor etwa 150 Jahren ein nicht ausgebauter Privatfeldweg, der für den öffentlichen Verkehr gesperrt war.Die Hellweger nannten den oben bezeichneten Wald „Die Büsche“. Derne lag für sie in den Büschen. Mit einer gewissen Geringschätzung sahen die Hellwegbewohner auf die Leute hinter den Büschen herab. Das hatte sogar eine gewisse Berechtigung, denn sie waren als Folge ihrer günstigeren Lage den Bewohnern der Büsche in „der Kultur“ stets ein paar Jahrzehnte voraus.Ein Brackeler, Asselner oder Wambeler Bauernsohn holte sich sehr selten seine Braut aus Derne, während den Brautwerbern aus Derne in den Hellweggemeinden große Schwierigkeiten gemacht wurden.
Anfänge der Besiedlung von Derne.
Die älteste Siedlung im Bereich Derne ist das Dorf Alten – Derne, das aus germanischer Zeit stammt. Kirch – Derne ist jüngeren Datums, wahrscheinlich in frühchristlicher Zeit entstanden. Der Siedlungsmittelpunkt für Kirchderne war das christliche Gotteshaus, für Altenderne war es der Bach, die „Becke“.
Über die Anfänge der Besiedlung unseres Heimatraumes wird nirgendwo ausführlich berichtet. Fest steht nur; die ersten germanischen Siedler legten ihre Wohnplätze an der Becke, dem Bach an. Dabei muss es sich um den Mahlbach gehandelt haben. Sie wählten dazu die Hügel, auf denen eine Bodenversumpfung nicht eintreten konnte. Die Bebauung geschah regellos.
Altenderne war eine echt germanische Ansiedlung, aus unregelmäßig zusammenliegenden Einzelhöfen bestehend. Eine gewisse Ordnung war nur durch den Lauf der Becke gegeben. Ihre Häuser errichteten die Siedler aus Holz, das sie auf den Bodenwellen rodeten, auf sie ihr Acker anzulegen gedachten. Sie rückten ihre Höfe recht nahe an die Becke heran, die ihnen Wasserspender war. Die dichten Wälder reizten zur Jagt, das Vieh wurde in den angrenzenden Gemeinde – Mark getrieben, wo der Hirte es hütete.
Nach unbeglaubigten Überlieferungen geht die Entstehung der ersten Derner Kirche und damit die erste Besiedelung in Kirchderne auf die fränkische Zeit zurück ( Ende des 8. Jahrhunderts ) Aus rohem Holz soll dort auf dem Hügel, dem Sünteberg – Dionysiusberg., der jetzt die Kirche trägt, von Glaubensboten eine Kapelle gebaut worden sein. Noch vor einigen Jahrzehnten war deutlich zu erkennen, wie sich die Bauernhöfe in unmittelbarer Nähe der Kirche befanden. Sie war Siedlungsmittelpunkt für Kirchderne, weil die Menschen beim herannahen eines Feindes hinter ihren Wällen Schutz suchten.
Charakteristisch für die zentrale Lage der Kirche ist der Verlauf der Strassen in ihrem Bereich. So führte eine Strasse nach Südwesten in Richtung Dortmund, eine andere nach Nordosten zum Hostedder Baum( beide bilden heute die Derner Strasse). Eine dritte Strasse führte von der Kirche weg nach Norden, nach Altenderne ( Grüggelsort ), während die vierte Strasse nach Nordwesten zum Derner Baum verläuft.
Diese Letzte hatte als Verbindungsweg mit der Heerstrasse von Dortmund nach Lünen ( über Brechten ) erhöhte Bedeutung. An ihr lag lange Jahre am „Derner Baum“ das alte Amtshaus, von dem aus die Lünener Landgemeinden Eving, Lindenhorst, Holthausen, Kemminghausen, Kirchderne, Altenderne – Oberbecker, Altenderne – Niederbecker, Hostedde, Horstmar, Beckinghausen, Gahmen, Lippholthausen, Brambauer und Brechten verwaltet wurden.
Adelssitze
Im Jahr 1780 erschien das Buch „Westfälische Geschichte“ des Johann Dietrich von Steinen. In ihm berichtet der Geschichtsschreiber über einen Rittersitz in unserer Heimat. „Ein Geschlecht von Derne hat hier gewohnt, und ist sehr vermögend gewesen, hat auch verschiedene Burgmänner gehabt. Nachdem aber die Familie ausgestorben, ist auch das Schloss auch zerstört worden, das nicht die geringsten Überbleibsel davon mehr vorhanden sind“.
Die genaue Lage dieser Besitzung lässt sich nicht mehr feststellen. Es ist nur bekannt, dass sich die Burg der Adligen von Derne mitten zwischen zwei Heerstrassen befunden hat. Gemeint ist einmal der Heerweg von Brackel über den Stuckenrodt und Hostedde nach Lünen und zum anderen von Dortmund über Brechten an die Lippe in Lünen.
Irgendwo im Raum Derne befinden sich mit Sicherheit Überreste der ehemaligen Grundmauern; bedeckt mit Schutt und Erdreich, unter einem neuen Gebäude, einer Strasse oder wo sonst? Den historisch denkenden Menschen würde der Standort interessieren. Wir müssen es aber dem Zufall überlassen, ob er jemals bekannt werden wird.
Von einzelnen Derner Grafen liegen spärliche Angaben vor. Ein Graf Otto von Derne nahm 1209 am Turnier in Worms teil. Als Aktiver beim Turnier in Ingelheim im Jahr 1337 wird Graf Georg von Derne genannt.
Betza Gräfin von Derne war das letzte Familienmitglied. Sie soll in das Essener Stift gegangen sein und nach ihrem Tode alle Güter dem Kloster hinterlassen haben.
Damit erlosch das vermögenste und nach frühen Vorstellungen ruhmreiche Geschlecht.
Genauere Angaben liegen dagegen über das Gut Dahlbrink vor, einem anderen Derner Rittersitz.
Dahlbrink scheint namensverwandt mit Delwig, auch Dalwig zu sein. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um zwei verschiedene Güter.
1. Dal oder Dahl bedeutet Tal. Die Silbe „wig“ kommt von dem lateinischen Wort “vicus“, d.h. Gehöft. Dalwig ist also das gut im Tal.
2. Das Gut Dahlbrink lag dagegen auf dem erhöhten Rande, dem Brink des Tales.
Heute bezeichnet im Krampeloh zwischen Kirchderne und Kemminghausen noch ein Graben den Ort, auf dem sich das Schloss Dahlbrink erhob, das einst von einem wundervollen Park umgeben war.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kamen die Herren von Heringen in den Besitz von Dahlbrink, die bereits an der Lippe bei Hamm sehr begütert waren. Dadurch erhielt das Gut den Namen Heringen. Um 1212 bewohnte Neyse Dionysius von Heringen das Schloss. Die Heringer Herren besaßen auch das Patronatsrecht über die Derner Kirche.
Vom letzten Ritter von Heringen wird folgendes erzählt: Der Pfarrer zu Derne durfte mit dem Gottesdienst erst beginnen, wenn der Patron im Gotteshaus anwesend war oder durch einen wurden.
Boten sein Nichterscheinen mitgeteilt hatte. An einem Sonntag des Jahres 1417 warteten Pfarrer und Gemeinde mit Ungeduld auf den Ritter, Als dieser zu lange auf sich warten ließ, begann der Priester das Hochamt in der Meinung, dass er nicht mehr kommen würde. Kaum hatte der Gottesdienst begonnen, da trat der Ritter ein, ging spornstreichs auf den Altar zu, riss sein Schwert aus der Scheide und erstach im Jähzorn den arglosen Priester. Dann wischte er das blutige Schwert an der Altardecke ab, stieß es in die Scheide zurück und verließ sporenklirrend das Gotteshaus.
Die Gemeinde hatte dieser ruchlosen Tat entsetzt zusehen müssen. Der Sage nach traf den gewalttätigen Ritter von Heringen bald darauf die verdiente Strafe. Er stürzte mit seinem Schlachtross und starb an den folgen dieses Sturzes unter großen Qualen. In der Kirche wurde er begraben und zwar zur Strafe mit dem Kopf nach Osten, damit er dem Anbruch des von Osten heraufziehenden jüngsten Tages nicht entgegen schauen konnte.
Nach dem Tode dieses Eigentümers wechselte das gut Heringen in den folgenden Jahrhunderten mehrmals die Besitzer.
Am 11. März 1667 wurde der größte Teil des Schlosses ein Raub der flammen. Es ist zwar wieder aufgebaut worden, aber die folgenden Bewohner ließen es mehr und mehr verfallen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen die Güter unter Bernhard Heinrich von Westrem in Konkurs. Die Frydags auf Buddenburg erwarben das Gut.
Im siebenjährigen Krieg ( 1756 – 1763 ) wurde das Schloss von den Franzosen eingeäschert. Eine wüste Ruine blieb zurück. Die letzten Trümmer ließ der Freiherr von Frydag in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts fortschaffen, als er den Grund und Boden in kleineren Parzellen verkaufte. Heute erinnert nur die Heringenstrasse an einstmals glanzvolle Zeiten.
Das Gut Dalwig ( auch Delwig genannt ) lag südlich der Derner Strasse am Fuße des Sünte – Neises – Berges. Ihre ersten Besitzer waren die Herren von Dalwig, von denen der Historiker J. D. v. Steinen schreibt : „Dieses Geschlecht ist alt und nicht nur in Westphalen sondern auch anderswo vorhanden.“ 1671 erwarb Ehrenreich Diedrich Freiherr von Khaynach das Gut durch Heirat. Seine Vorfahren stammen aus Österreich. Diese mussten das Land verlassen, nachdem sie zum protestantischen Glauben übergetreten waren.
Die Khaynachs blieben fast 130 Jahre auf dem Gut. Der letzte Khaynach stammte mütterlicherseits von der Familie von Neuhoff – Pungelscheid ab. Das bekannteste Mitglied dieser Familie war jener Karl Theodor Baron von Neuhoff ( 1694 – 1756 ) , der als Edelmann begann, zum König von Korsika emporstieg und als Bettler endete.
Bald nach dem Tode von Friedrich Adolf Freiherr von Khaynach im Jahre 1829 musste seine Witwe das über 300 Morgen grosse Gut Delwig aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen. Es ging an einen Gutsbesitzer Namens Gockel über. Dadurch wurde für das Haus Delwig auch die Ortsbezeichnung „am Gockel“ gebräuchlich. Später kauften die Hoesch Werke den alten Landsitz auf.
Ein weiteres Rittergut aus dem Kirchspiel Derne ist ebenfalls längst verschwunden und nur noch dem Namen nach bekannt: das Gut Nierhofen ( auch Niederhofen genannt ), nördlich von Hostedde gelegen. In einer Urkunde von 1517 wird Johann von Witten als Besitzer des Gutes genannt. Anschließend ist es an die Familie von Havers gekommen, einem alten adeligen Geschlecht, das in der Grafschaft Mark bereits viele Ländereien besaß, darunter auch ein Hof in Altenderne.Goddert Haver, Herr von Nierhofen, starb 1609 ohne Erben. Er wurde in der Derner Kirche beigesetzt.
Später kaufte die Familie von Wenge auf Haus Wenge bei Lanstrop das Gut, um es als Witwensitz zu verwenden.
Von Steinen berichtet, dass das Schloss 1721 von Zigeunern niedergebrannt worden ist. Keine Ruine bezeichnet heute seine Lage.
Bis zum 2. Weltkrieg war der alte Burggraben deutlich erkennbar. Nach einem Besitzer entstand hier die Flurbezeichnung „Brinks Platz“, der Acker an der Schlossstätte erhielt den Flurnamen „Haus Niederhofen“.
Heute deckt die Zeche Gneisenau diese gesamte Gemarkung zwischen Hostedde und der Autobahn mit ihrem Bergematerial zu






