Derne. "Zeche hat keine Zukunft". Trotz der Tragik dieses Spruchs, ist er im Ruhrgebiet zu einem geflügelten Wort geworden und begleitet seit vielen Jahren das Zechensterben. ...
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"Wir werden in Zukunft ausreichend Platz haben, um alle unserer Angebote im Stadtbezirk Scharnhorst zu bündeln."
Joachim Brennecke, Prokurist der Werkstatt.
"Keiner kommt aus dem Handwerk, einige haben noch nie einen festen Arbeitsplatz gehabt."
Bernd Roskohl, Polier auf der "Zeche Zukunft"
Viel steht nicht mehr von der Zeche, die mal Europas größte Schachtanlage war, die Rekorde bei den Fördermengen erzielte und in Spitzenzeiten über 6000 Leute in Lohn und Brot hatte. Zwei Fördertürme und das große Direktionsgebäude. Roter Backstein, herschafftliche Auffahrt. Fast ist man geneigt, sich die Füße abzutreten, bevor man eintritt. Aber das ist heute überflüssig. - Großbaustelle.
Das Haus ist entkernt. 14 Langzeitarbeitslose haben Platz geschaffen für die "Zeche Zukunft". Der Werkhof, der vielen Menschen durch Förderung eine berufliche Perspektive geben will, startet gleich mit einer "Maßnahme". Chef der bunten Truppe ist Polier Bernd Roskohl. "Keiner kommt aus dem Handwerk, einige haben noch nie einen festen Arbeitsplatz gehabt." Einige können inzwischen mauern.
"Hier war ja alles kaputt", berichtet der Polier von monatelangen Aufräumarbeiten. Das Bürogebäude hat durch Vandalismus schwer "gelitten". Schreibtische, Schränke - alles Bruch. Erste Etage: "Hier haben die Direktoren ihre Büros gehabt", erzählt der Polier. "Da waren die Einbauschränke, darin war die doppelte Tür eingelassen. Dick gepolstert." Bernd Roskohl rennt mit ausgebreiteten Armen durch die riesigen Räume, nickt anerkennend und will sagen: groß war es, nicht billig. Eiche-Türen, alles Wertarbeit.
Von der Wertarbeit konnte sich der Bautrupp auch bei einem Mauerdurchbruch überzeugen. Im Erdgeschoss ist die Arbeit noch zu erkennen. Fingerdicke Eisenstangen ragen aus dem Mauerwerk. "Das war der Tresorraum", sagt der Polier. Hier wurde das Geld für die Bergleute gelagert. Noch bis in die 60er Jahre hinein bekamen die Kumpel die "Kohle" bar ausgezahlt. An den Steigerstuben vorbei ging es in die Lohnhalle, die bereits vor Jahren abgerissen worden ist. Dort wurde die Lohntüte übergeben.
Schon jetzt ist davon nicht mehr viel zu sehen. Nach dem Umbau werden wohl nur noch "Schlegel und Eisen" über dem Eingangsportal an die Bergbaugeschichte dieses Gebäudes erinnern. "Das wollen wir aber auf jeden Fall aufarbeiten", sagt Joachim Brennecke. Der Geschäftsführer der Werkstatt Unna, zu der der Werkhof Scharnhorst gehört, ist zufrieden mit dem Baufortschritt. "Bis jetzt hat alles gut geklappt."
Er freut sich, dass die beiden Werkhallen, die hinter dem Hauptgebäude neu errichten worden sind, bereits fertiggestellt wurden. Hier sollen eine Werkstatt für Maler und Lackierer und eine Werkstatt für Metallberufe eingerichtet werden. Im Hauptgebäude wird es Werkstätten für Berufe der Holzverarbeitung und der Textilgestaltung geben.
"Wir werden in Zukunft ausreichend Platz haben, um alle unserer Angebote im Stadtbezirk Scharnhorst zu bündeln", erklärt Joachim Brennecke. Die alte Schule am Werzenkamp gegenüber des eigenen Gartenbaubetriebes will der Werkhof aber weiter nutzen. Voraussichtlich im April sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein. Dann will der Werkhof seine Arbeit aufnehmen.
14 November 2008 | Quelle: WAZ NewMedia GmbH & Co. KG | von Frank Schwertfechter





