Derne - Kein Stadtteil Dortmunds litt mehr unter dem Zechensterben als Derne. Ein Vierteljahrhundert ging’s mit dem Ort eigentlich nur bergab: Viele Leerstände, reichlich ungepflegte Ecken und ein problematischer Sozialmix gehören zu den häufig genannten Problemen. Doch inzwischen tut sich was. Das neue Einkaufszentrum gibt Derne Impulse. Ein Hauch von Aufbruch liegt in der Altenderner Straße.
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„Derne hat wieder Zukunft“, sagt Holger Fuchs. Er investiert gerade kräftig in sein dreiteiliges Gebäude, in dem eine moderne Spielhalle, ein Sportcafe und ein Bistro-Cafe entstehen. Im Moment entstehen Parkplätze auf dem gepflasterten Hof, im September will Fuchs eröffnen. „Viele Jahre hat sich gar nichts getan“, erzählt der Unternehmer, „inzwischen haben die Leute das Gefühl: Es tut sich was.“ Fuchs lobt insbesondere das neue Einkaufszentrum wenige Meter weiter. Aber auch die Entwicklung der Gneisenau-Fläche sei vielversprechend. „Mit dem neuen Wohngebiet kommen auch wieder neue Leute.“ Fuchs meint: „Ich glaube, Derne wird mal ein schöner Vorort.“
Nur wenige Schritte weiter hat Valeri Tscherskich ein kleines Geschäft eröffnet. Der Schustermeister war zuvor an der Derner Straße selbstständig. Im Mai zog er an die Altenderner Straße, weil er sich von dem Ortsteil mit dem neuen Zentrum „mehr Frequenz“ verspricht, also mehr Kunden. Der heiße Sommer sei zwar nicht so gut gewesen, doch allmählich habe er etwas mehr zu tun. Außerdem seien ja noch nicht alle Geschäfte ins neue Zentrum umgezogen, das dann erst die volle Anziehungskraft entfessele. Alles brauche seine Zeit.
Direkt gegenüber, an der Altenderner Straße 9, führt Joachim Kern seine Traditionsapotheke „Germania“. Die wird in wenigen Tagen schließen, denn mit seinem Derner Kollegen Heinrich Werner Knoeppel eröffnet Kern die „Neue Apotheke Derne“ - natürlich im Einkaufszentrum. Kern steht mit seinem Team täglich an der Theke. „Es stimmt“, sagt er, „die Leute spüren, dass sich etwas Positives tut in Derne. Darüber wird gesprochen. Das war ja lange nicht der Fall.“ Allerdings: Mit dem Umzug der beiden Apotheken gibt’s auch neue Leerstände. Von einem Nachmieter für seine Apotheke wisse er jedenfalls nichts ...
„Neueröffnung“ steht ein paar Meter weiter an der Fensterscheibe von „Ümits Mini-Markt“. Der Besitzer eröffnete im Juli. Bisher sei er „nicht zufrieden“. Der Umsatz laufe nur am Wochenende gut. Wenn’s so bleibe, müsse er wohl wieder schließen.
Karl-Heinz Frischmuth, Vorsitzender des Derner Gewerbeverein, rät ihm zu „mehr Geduld“: Zwei Monate reichten einfach nicht, um sich zu etablieren und Kunden zu gewinnen. Insgesamt spricht Frischmuth von einem Aufbruch in Derne. Mehrere Hausbesitzer hätten in die Fassadensanierung investiert oder - wie der Moscheeverein - wenigstens ein bisschen vor ihrer Haustür getan. Eine gute Idee sei es auch, zumindest die Schaufenster leerstehender Ladenlokale als Ausstellungraum zu nutzen - wie beispielsweise Apotheker Kern das vormache.
Frischmuth und SPD-Ratsherr Bruno Schreurs glauben an einen positiven Domino-Effekt: Wenn zwei Nachbarn erstmal in Verbesserungen investierten, steige auch die Bereitschaft des dritten Händlers oder Hausbesitzers, mitzuziehen.
Frischmuth sagt: „Überzeugungsarbeit ist ein zähes Geschäft. Aber ich setze auf viele Einzelgespräche, um Dinge anzustoßen.“ Außerdem habe der Gewerbeverein (52 Mitglieder) eine Internetadresse, auf der sich u. a. Investoren über interessante Flächen und Gebäude vor Ort informieren können. Aber auch hier helfe das persönliche Gespräch.
Auch wenn das neue Zentrum offenbar Impulse setzt: So manch ein Derner trauert alten Zeiten nach. Die zahlreichen Fachgeschäfte von früher - vom Bäcker und Metzger bis zur Kneipe - reihen sich heute nicht mehr zum wahren Einkaufserlebnis aneinander. Auch schwingt hier und dort der Vorwurf von Anwohnern mit: Die Politik habe der Talfahrt des Ortsteils viel zu lange zugeschaut. Auch gebe es noch keine schlüssige Antwort auf die Frage, wie die vielen Leerstände und Schandflecke entlang der Altenderner Straße durch neue Nutzungen verschwinden könnten.





