Entwicklung der Zeche Gneisenau
In der Gemeinderatssitzung vom 03 September 1873 des Ortsteils Altenderne – Oberbecker genehmigten die Gemeindevertreter den Antrag der „Gewerkschaft Gneisenau“ auf Bauerlaubnis zur Anlage einer Kohlenzeche. Sie stimmten zu unter der Bedingung „das die Gesetzliche Vorschrift für die breite des Weges im Auge behalten wird“. Die Gesellschaft hatte zur Verwirklichung ihrer Pläne vom Landwirt Humann ein 21 Morgen großes Grundstück erworben, das in dem Winkel lag, den die damalige Kaiserstraße ( vom Bahnhof in Richtung Kirchderne ) und Bahnhofstraße ( vom Bahnhof in Richtung Altenderne ) beim Bahnhof Derne bildeten. Entscheidend für die Lage der Zeche an dieser Stelle war die Nähe der Neugebauten Eisenbahnlinie, die das Ruhrgebiet mit dem Münsterland sowie Holland verbindet.
Der erste Spatenstich für das Abteufen eines Schachtes mit 5.20m Durchmesser auf dem bezeichneten Grundstück war bereits am 01 Juli 1873 erfolgt. Doch bald stellten sich ungeahnte Schwierigkeiten ein; schon beim bohren in der Mergelschicht betrug der Wasserzufluss in der Minute etwa 2 ½ m³, der sich mit zunehmender Tiefe auf 30 und mehr Kubikmeter pro Minute steigerte. In 173 m Tiefe wurden am 27.03.1875 Wasseradern angebohrt, aus denen soviel Wasser floss, dass der Schacht in 6 Stunden vollgelaufen war. Die Arbeiten mussten gänzlich eingestellt werden.
Wegen finanzieller Schwierigkeiten konnten die Abteufarbeiten erst nach 7 Jahren ( 01 Juni 1882 ) wieder aufgenommen werden.
Eine belgische Gesellschaft hatte die Anlage mit allen Rechten erworben. Nun wurde nach einem neuen Verfahren gebohrt. Am 06 Juni erreichten die Arbeiter eine tiefe von 241.21 m, die oberste Steinkohlenschicht. 1886 war bei 383 m die Schachtsohle erreicht, damit konnte das sechste Flöz aufgeschlossen
werden, es kam zum Versand der ersten Tonne Kohle ( 20.06.1886 ). Schon während des Abteufens von Schacht I war 1883 mit dem Bau von Schacht II begonnen worden. Auch hier verliefen die Arbeiten wegen der zerklüfteten Gesteinsschichten äußerst schwierig. Bei 260 m wurde ein Querschlag, die 1. Sohle angesetzt, um das anfallende Wasser zu Schacht I ableiten zu können. In Jahre 1889 war auch Schacht II bis zur Tiefe von 383 m vollendet. Zwei Jahre vorher, am 14.11.1887, hatte eine Schlagwetterexplosion 15 Bergleuten das Leben gekostet. Diese wurden auf dem Friedhof in Kirchderne beigesetzt.
Die Zeche Gneisenau ging im Jahre 1891 in den Besitz der Harpener Bergbau AG über. Von 1901 – 1904 wurde Schacht III bis zu einer Tiefe von 450 m gebaut.
Am 11.12.1902 mussten 13 Übertage Arbeiter ihr Leben lassen, als es zu einer Dynamit Explosion kam.
Höchstförderung erreichte die 1500 Mann starke Belegschaft im Jahre 1913 mit 550.000 Tonnen Kohle. Diese Fördermenge wurde erst 1930 wieder erreicht.
Die Zusammenlegung der Zeche Gneisenau mit der Zeche Scharnhorst ( 1930 ) und der Kohleabbau in den Grubenfeldern Preußen I und II machten die Anlage eines vierten Schachtes erforderlich. Am 10 September 1932 war Schacht IV mit einem Durchmesser von 7.60 m bis zur vorgesehenen Tiefe von 510 m fertig gestellt.
Derne hatte mit dem 1934 erbauten Schachtgerüst ein neues Wahrzeichen.
Eine im Herbst 1930 fertig gestellte Zechenbahn vermittelte den Transport der benötigten und erzeugten Güter zwischen der Schachtanlage Gneisenau und dem Kanalhafen Preußen in Lünen Süd. Seitdem besteht auch auf dem Wasserwege eine Verbindung mit der „Welt“. 1927/28 wurde an Stelle der alten Kokerei eine mit den modernsten Einrichtungen versehene Großkokerei mit Nebengewinnungsanlagen errichtet. Sie produzierte Koks. Gas, Ammoniak, Teer und Benzol.
Ein 80 m hoher Großgasometer ( 50 m Durchmesser ) mit einem Rauminhalt für 125.000 m³ Gas gehörte seit 1929 zum bild unseres Ortsteils. Vor dem Bau des Gasometers wurde das bei der Koksgewinnung anfallende Gas, das nicht im Zechenbetrieb gebraucht wurde, verbrannt. Damals stand Tag und Nacht eine lodernde Fackel über Derne. Zwischen 1925 und 1927 entstand der Wetterschacht Grevel



Gneisenau


