Um Wohnraum für neu zuziehende Arbeiterfamilien, aber auch für langjährige Arbeiter der Zeche Gneisenau zu schaffen, gibt es bei der Verwaltung der Zeche Gneisenau im Herbst 1907 erste Pläne zum Bau der Kolonie Gneisenau mit insgesamt 63 Wohnhäusern. Obwohl festgestellt wird, das die Bodenverhältnisse durch Beeinträchtigung von Flies „nicht die allergünstigsten sind“, wird diesem Bauplatz aus folgenden Gründen der Vorzug gegeben : Günstige Lage und Entfernung zur Zeche bzw. Zur Bahnstation, außerdem sind Teile des Baugrunds schon in Besitz der Harpener Bergbau AG. Es werden Verhandlungen mit den Eigentümern der übrigen Grundstücke zwecks Erwerb des Baugrundes für die projektierte Siedlung aufgenommen.
Die Müserstraße hätte heute ein anderes Aussehen, wenn nicht aufgrund der hohen Anzahl der zu erwerbenden Grundstücke und der für die Harpener Bergbau AG z.T. zu hohe Preisforderungen der Eigentümer zunächst die „kleine Lösung“ verfolgt wurde: Von der vormaligen Planung an drei anzulegenden Koloniestraßen nebst einer Querstraße die Siedlung zu erbauen, bleibt nur noch die Koloniestraße I übrig. Von der Überlegung, den gesamten Grund für eine spätere Erweiterung der Siedlung aufzukaufen, „mit Rücksicht auf die zu erwartenden Preissteigerungen“, wird Abstand genommen.
Nachdem der Siedlungsbau so auf die Kolonialstraße I, die spätere Müserstraße, zunächst beschränkt bleiben sollte, sehen die Pläne eine höhere Bebauungsdichte vor, „um das teure Terrain nach Möglichkeit auszunutzen“. Statt der vorgesehenen 22 Häuser waren nun 29 vorgesehen. Bis zum Spätsommer 1908 waren sämtliche Vorarbeiten (Ankauf der Grundstücke, Vermessung, Bauplanung) für den Bau der Kolonie abgeschlossen, so das mit dem Bau hätte begonnen werden könnte. Aber es gab Schwierigkeiten mit der Erteilung der Bauerlaubnis. Es entbrannte ein Streit zwischen der Harpener Bergbau AG und der Polizeiverwaltung Derne, ob es sich bei dem Siedlungsneubau um eine Bebauung innerhalb einer schon bestehenden geschlossenen Ortschaft oder um eine neue Ansiedlung handelte. Letztere war nach den damaligen Ansiedlungsgesetz mit Abfindungszahlungen (an die örtliche Schulgemeinde und an die Kirchen beider Konfessionen in Höhe von etwa 300 Mark für jede anzusiedelnde Familie) verbunden.
Die Bereitstellung eines Schulbauplatzes und die Zahlung eines Bauzuschusses für die neue Gneisenauschule durch die Harpener Bergbau AG machten den Weg frei für die neue Kolonie Gneisenau, die dann Ende 1910 endlich fertig gestellt wurde. Um den Zeitverlust wett zu machen, wurde mit dem Bau der jetzt projektierten 25 Vierfamilienhäuser und 9 Zweifamilienhäuser fünf Baufirmen beauftragt, die fast alle im damaligen Amt Derne ansässig waren. Die einzelnen Unternehmer wurden verpflichtet, die für den Bau benötigten Ziegelsteine Von der Zecheneigenen Ziegelei zu beziehen. Für den Bau der Häuser in der Müserstraße wurden 3.250.000 Ziegelsteine benötigt. Die Koloniehäuser wurden in einer Rekordzeit fertig gestellt.
Zu der damaligen Zeit trug die heutige Glückstraße den Namen Glückaufstraße und der Goesebrink den Namen Feldstraße und später Schlägelstraße.
Wie die Korrespondenz zwischen dem Geheimrat Robert Müser und dem damaligen Zechendirektor Fickler zeigt, gab es unterschiedliche Vorstellungen zur Mietpreisgestaltung und zu den Belegungsgrundsätzen. Während die Harpener Bergbau AG aufgrund der hohen Grundstücks und Baukosten einen hohen Mietpreis, für die Vierzimmerwohnung 20 Mark veranschlagt und dies mit der guten Lage der Siedlung zum Ort und zum Bahnhof rechtfertigen wollte, versuchte die Zechenverwaltung einen Kompromiss zwischen den üblichen Mietpreisen in anderen Kolonien, für die Vierzimmerwohnung 16 Mark und den von der Harpener AG gewünschten Mietpreis zu schließen. Auch bei der Belegung der neuen Koloniehäuser möchte die Zechenverwaltung gerne die Interessen der dort bereits beschäftigten nach besseren Wohnung vertreten sehen, während die Harpener Bergbau AG die neuen Wohnungen einzig „als Mittel zur Heranziehung neuer Arbeitskräfte“ nutzen wollte.





